Die Steinzeitstätte an der Aschequelle

Die ältesten Spuren, die die Anwesenheit des Menschen in Extertal belegen, ge­hören der Mittelsteinzeit an (Mesolithikum, 8.000 - 4.000 vor unserer Zeit). Auch an der Aschequelle wurden bei einem Teichbau in den 1950er Jahren viele steinzeitliche Gerätschaften und Werkzeuge gefunden. Lager- und Siedlungsplätze fanden sich besonders an baumlosen Terrassen­kanten mit Quellen – wie an der Aschequelle. Die Land­schaft bot den Menschen eine ausreichende Existenzgrundlage, die durch das Sammeln von Früchten und die Jagd auf­recht erhalten wurde.

Das Spektrum der Kleingeräte aus Feuerstein (Mikrolithen) ist gekennzeichnet durch das Vorkommen von Messern, Schabern, Kratzern, Bohrern und Pfeil­spitzen. Mit Beginn der Jungstein­zeit (ca. 4500 - 1700 v.u.Z.) wurde der Mensch sesshaft und ging zu einer produzierenden Lebensweise über. Zu den tech­nischen Neuerungen zählten die Herstellung von Keramikgefäßen, geschliffenen Steinbeilklingen, Ge­räte zur landwirtschaftlichen Produktion sowie die Vorratswirtschaft und der Bau von festen Häusern, Einzelhöfen und  Weileran­lagen. Die Anwesenheit der ersten Bauern und Vieh­züchter in Extertal bezeugen die Funde von Steinbeilen und -äxten aus Felsgestein und Feuerstein.

Aus der vorrömischen Eisenzeit (ca. 700 v.u.Z.) fehlen für das gesamte Extertaler Gebiet archäologische Funde. Die Uffoburg ist der erste belegbare Nachweis einer frühmittelalterlichen Besiedlung des Extertals. Selbstverständ-lich ist davon auszugehen, dass auch in denJahrhunderten zuvor Menschen hier lebten.

 

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So ähnlich könnte es auf der Lagerstätte an der Aschequelle in der Jungsteinzeit zugegangen sein. Die zahlreichen Werkzeug- und Gerätefunde lassen darauf schließen.

Werkzeuge aus der Jungsteinzeit, alle gefunden auf dem Gebiet der Gemeinde Extertal.

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Die Aschequelle lieferte früher Trinkwasser für  Menschen und Tiere und speiste einige Teiche auf ihrem Weg ins Tal. Heute fließt sie aufgrund des Klimawandels nur noch spärlich. Elisabeth Kuhfuß, geboren 1944, erinnert sich noch gut und gern an ihre Kindheit auf der Hohen Asch:

Etwa 100 Meter von meinem Elternhaus entfernt sprudelte aus der Erde die Quelle der Asche. Diese schüttete so viel Wasser, dass es für vier Familien mit 20 Personen zum Trinken, Kochen und Waschen reichte. Überschüssiges Wasser lief durch ein Feuchtgebiet, von uns „Siek” genannt,  als kleiner Bach Richtung Bauer Wiemann hinunter, wo es einen Teich zum Tränken der Tiere füllte. Unser Trinkwasser wurde mit Eimern aus dem Brunnen geschöpft und in die  entfernten Häuser getragen. Der Brunnen bestand aus einem Brunnenring, der  auf den Mergelboden gestellt worden war. Die Unebenheiten zwischen dem gewachsenen Boden und dem Ring waren mit Zement ausgefüllt. Die Quelle brachte immer kleine Steinchen und auch Erde mit nach oben, sodass der Brunnen einmal im Jahr richtig entleert und gereinigt werden musste. Dazu wurde mit Eimern und anderen  Behältnissen gegen die Förderung der Quelle „angekämpft“ und mit Schrubbern der Brunnenboden gesäubert. Zum Schluss wurde ich in den Brunnen gehoben, um das letzte Schmutzwasser mit einem Milchtopf auszuschöpfen.
Als meine Eltern die erste Kuh kauften, brauchten wir mehr Wasser, und zwar im Sommer auf der Weide. Mein Bruder bekam den Auftrag, etwa 20 Meter neben dem Brunnen einen Teich zu schachten. Schon nach kurzer Grabungs-arbeit fand er die ersten Steinzeitwerkzeuge: Beile, Speerspitzen und anderes. Diese Funde brachten wir auf Geheiß unseres Vaters zu Herrn Schichor, der die Teile für das hiesige Fleckenmuseum in Empfang nahm.
Menschenopfer auf der Hohen Asch?
Für meinen Vater waren diese Funde keine Überraschung. Er erzählte uns Kindern, dass der Berg aus dem Grunde die Hohe Asch heiße, weil auf unserem Land früher Brandopfer dargebracht worden seien und die Asche der verbrannten Tiere (Menschen?) mit dem Wasser ins Tal gespült wurde. Deshalb heiße es nicht der Hohe Asch, sondern eben die Hohe Asch(e). Woher mein Vater dieses „Wissen“  nahm, ist uns Kindern nicht bekannt. Aufgrund der Funde aus der Steinzeit schien uns diese Geschichte bestätigt und durchaus plausibel. Denn dass Steinzeitmenschen auf unserem Land gewohnt hatten, bewiesen ja die Werkzeugfunde, und dass unsere Urväter Opferstätten benutzten, um die Götter milde zu stimmen, wussten wir aus dem Schulunterricht“.
Kühehüten auf dem Wulwesberg
Zu den Pflichten der Kinder gehörte das Hüten der Kühe auf dem Wulwesberg (zu hochdeutsch: Wolfsberg), der etwa einen Kilometer vom Elternhaus entfernt liegt. Auch dort befand sich eine kleine Quelle. Elisabeth Kuhfuß erinnert sich: „Hier stand immer ein Emaillebecher, der von allen Durstigen genutzt werden konnte. Zur Hohen Asch hin und in Richtung Reine begrenzte eine dichte Dornenhecke unser Land. Zum Norden wuchs der Buchenhochwald, und zum Westen, Richtung meines Elternhauses, baute mir Vater einen Schreibtisch und davor einen Hocker, wo ich dann meine Schularbeiten machte. So ein Tag lief folgendermaßen ab: Ich kam von der Schule, zog mich um und bekam mein Mittagessen. Dann nahm ich unsere drei (später vier) neben- bzw. hintereinander gebundenen Kühe und marschierte gen Wulwesberg. Zuerst schaute ich nach, ob der Neuntöter wieder einen Käfer auf die Dornen gespießt hatte, ob das Nest der Bachstelze noch in Ordnung war usw. Ich lebte also in und mit einer unverbrauchten Natur. Ich muss allerdings  zugeben, dass ich manchmal etwas Angst hatte, wenn im Herbst die Nebelschwaden zogen und sich die Wiese dadurch in eine Tanzfläche für Geister verwandelte“.

 

Der Wulwesberg. Heute führt hier ein Wanderweg hinauf auf die Hohe Asch. Einsam ist es hier aber immer noch ....                  Foto Hans Böhm

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Die Familie Müller (im Jahr 1952). Hinten von links: Karl-Heinz (14), Mutter Auguste und Vater Wilhelm. Vorn  die Töchter Dorothea (5) und Elisabeth (8).

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Die Aschequelle lieferte der Familie Müller viele JahreTrinkwasser. Im Bild die damals 14-jährige Dorothea Müller im Jahr 1961.

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Das Hüten der Kühe auf dem Wulwesberg zählte zu den alltäglichen Pflichten der Kinder.

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