Der Büxenwolf - Schrecken der Bergdörfer

Der „Büxenwolf” ist heute nur noch wenigen Menschen vom Hörensagen bekannt, aber im 19. Jahrhundert und teilweise sogar bis Mitte des 20. Jahrhunderts war er im Volks(aber)glauben Realität. Besonders arg trieb es dieser Unhold in Bremke und Umgebung. Das Dorf war im 19. Jahrhundert regelrecht verrufen. In dunklen Wäldern und Wegen lauerte das gespenstische Wesen und erregte durch schaudern erregendes Krächzen, unheimlich durch die Nacht gellendes Schreien und dumpfes Stöhnen selbst bei den standhaftesten Männer Entsetzen und Grauen. Keiner sah die riesige „Kreatur" je von vorn, immer sprang sie, umhüllt vom schwarzen Dunkel und schauervollem Schweigen des Waldes, den verspäteten Wanderer von hinten an und umklammerte das Opfer mit Riesenkräften so fest, dass niemand das haarige Wesen abschütteln konnte. So lange quälte der Büxenwolf den von Grauen und Angst gepackten Wandersmann, bis er kraftlos und erschöpft zu Boden sank. Dann plünderte er ihn aus und ließ ihn ohn­mächtig liegen.
An ein übernatürliches Wesen glaubten die Menschen jedoch nicht. Man war sich einig, dass es sich hier um einen Menschen handelte, allerdings um einen, der mit dem Teufel im Bunde sein musste. Überliefert sind die Rituale, die angeblich einen Menschen in ein Wolfswesen verwandeln: Der Aspirant muss während der Kirchzeit ein Stück Land zum Bebauen fertig machen, Flachs säen, ernten und zubereiten, spinnen, weben, sich einen Gürtel daraus machen, diesen zur Nachtzeit anlegen und den Teufel anrufen. Nicht überliefert sind die Rituale oder Zaubersprüche, mit denen man sich die Gunst des Teufels sichern konnte. Vielleicht war's hier wie bei allen Geschäften mit dem Herrscher der Unterwelt, und die Seele wurde für die Wolfskraft verkauft.
Wie dem auch sei, der sagenhafte Büxenwolf war über Jahrzehnte präsent in Bremke und in den 1870er Jahren wollte man sogar den Mann kennen, der es verstand, sich in einen Wolf zu verwandeln. Als untrügliches Zeichen galt den Dörflern eine angebliche dicke Hornhaut auf den Fingerrücken, deren Ursache man beim Laufen auf allen Vieren vermutete. Bis in die 1940er Jahre gab es immer wieder Büxenwolf-Sichtungen in Bremke und Umgebung. Noch bis in die 1960er Jahre waren selbst gestandene Männer nicht bereit, in der Dunkelheit den heutigen Graf-Uffo-Weg unterhalb der Uffoburg zu passieren. Lieber nahm man weite Umwege in Kauf.

Illustration: Monika Gerstendorf, Extertal

Auch aus anderen Extertaler Dörfern wurden gewisse Büxenwolf-Aktivitäten gemeldet. So zum Beispiel aus Laßbruch im Jahr 1935. Nicht mal für 20 Mark trauten sich junge Männer des Nachts am Friedhof vorbei, weil da angeblich „ein Warwulf aufgehuckt”. Diese Attacken beschäftigten sogar die Presse und die „mysteriöse Angelegenheit” wurde nie ganz aufgeklärt. Man darf allerdings davon ausgehen, dass diese Büxenwolf-Geschichten auf das üble Treiben junger Burschen zurückgehen, die sich einen Spaß daraus machten, ihre abergläubischen Mitmenschen in Angst und Schrecken zu versetzen. Zumindest von der Uffoburg ist das so überliefert.                                                             Text Hans Böhm

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