Das Gersiektal - ein Hauch von Geschichte

Sieke nannte man früher die teilweise tief eingeschnittenen Schluchten, die kleine Fließgewässer im Laufe ungezählter Jahrtausende in Boden und Fels gegraben haben. Oftmals hießen die Bäche dann auch »Siekbach« (heute so viel wie »Schluchtbach«). Gleich drei Nebenbäche der Exter tragen heute diesen Namen, wobei man allerdings davon ausgehen kann, dass die Menschen bis etwa in die Mitte des 20. Jahrhunderts exaktere Bezeichnungen verwendeten, denn die drei »Siekbäche« liegen relativ dicht zusammen. So wird der Meierberger Siekbach in alten Unterlagen als »Gersiekbach« geführt. Diesen Namen wollen wir zur besseren Unterscheidung beibehalten.
Die topografische Besonderheit der »Sieke« ist in unserer Region nirgends so häufig zu finden wie im Tal der Exter, und die vier größeren Wasserfälle sind sogar einmalig. Unter allen Extertaler Schluchten nimmt das Gersiekbachtal mit dem Rickbachtal eine Sonderstellung ein - und das nicht nur wegen seiner ungezählten kleinen und teilweise sehr großen Findlinge, der landschaftlichen Schönheit oder wegen des Fahrenbachfalls an der Verlobungsbank. Im Gersiekbachtal »weht der Hauch der Geschichte« an vielen Plätzen wie sonst nirgendwo im Extertal. Da sind die Reste alter Brücken und Wege ebenso zu finden wie die Spuren des Findlingstransports (1933), die Reste des Hexensteins mit vorgeschichtlichem Friedhof oder die Schützengräben aus dem 2. Weltkrieg.
Der Gersiekbach ist kaum zwei Kilometer lang. Er entspringt auf den Meierberger Höhen unterhalb des Ortsteiles Wiemke. Einige Hundert Meter fließt er durch Felder und Wiesen, um dann beim ehemaligen Hof Reineke in die tiefe und enge Schlucht einzutreten. Die Bedeutung des überlieferten Namens für den Meierberger Siekbach (Gersiek) ist nicht bekannt. »Ger« ist die Bezeichnung für den germanische Wurfspieß. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass die Siekbachschlucht in frühgeschichtlicher Zeit eine kultische Stätte beherbergte, wie von einigen Volkskundlern vermutet wurde, aber bislang nicht eindeutig bewiesen werden konnte. Die Schlucht wurde jedenfalls bereits im Jahr 1926 vom Land Lippe unter Naturschutz gestellt (Staatsanzeiger für das Land Lippe, Nr. 53 vom 3. Juli 1926) und das aus sehr gutem Grund. In keinem anderen Siek oder auf sonstigen Flächen sind Findlinge in solcher Anzahl und Größe zu finden. Diese Eiszeitrelikte aus dem hohen Norden prägen das wildromantische Tal auch heute noch, wenngleich der Bau der Talstraße im Jahr 1920 ein sehr drastischer Eingriff in Natur und Geländeformation war.   Text und Fotos: Hans Böhm

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