Der Hexenstein

Nach dem Abtransport des »Hexensteins« nach Rinteln (1933) und der Grabung durch August Meier-Böke (1934) geriet die seinerzeit umstrittene Kultstätte nach und nach in Vergessenheit. Erst das gewachsene historische Interesse in den 1990er Jahren rückte den »Hexenstein«  wieder ins Licht der Öffentlichkeit.

Die Bezeichnung »Hexenstein« für den großen Findling im Gersiek kann durch die Aussagen von Zeitzeugen als gesichert gelten. Der riesige Granitblock, der neben einem ebenfalls recht kapitalen zweiten Findling lag, war Anfang 1934 noch einigen alten Meierbergern unter dieser Bezeichnung bekannt. Das ergab eine Umfrage des damaligen Dorfschullehrers Schlüer, der angab, dass von neun Befragten immerhin sechs vom »Hexenstein« wussten. (Siehe »Der Hexenstein aus dem Gersiek bei Meierberg«, von Gerd Suffert in »Lippischer Dorfkalender 1936«, 21. Jahrgang, Detmold, Herausgeber Pastor Paul Ruperti). Das deutet auf eine alte kultische Stätte hin.
Welchen Zwecken oder Ritualen der Stein gedient haben mag, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen. In der heute vergessenen Sage hieß es, dass sich die Hexen in der Walpurgisnacht am Stein im Gersiek versammelten, um von hier aus gemeinschaftlich zum Blocksberg zu starten. Heute mag man über dieses »hinterwäldlerische« Gedankengut lächeln, unsere Vorfahren allerdings glaubten trotz ihrer festen Bindung an christliche Vorstellungen an Hexen und Geister, denn wie heißt es so richtig: »Wer nichts weiß, muss alles glauben«. Der Hexenwahn, dem bis in die Neuzeit Millionen von unschuldigen Menschen zum Opfer fielen, ist bester Beweis dafür.
Vor hundert Jahren wäre es wohl niemanden eingefallen, sich um die Walpurgis-Zeit in den Gersiek zu begeben, zumal die Straße (1920 erbaut) durch die Schlucht noch gar nicht existierte. Es war »nicht ganz geheuer« im Sieke, auch nicht im »Spoikebush« (Spukwald), dessen Reste auf der Höhe südwestlich über den Gersiek ragten und erst recht nicht in der »Hölle«, einer tiefen Bachschlucht südlich dahinter, wo man den Teufel am Werke glaubte. Diese Schlucht mit einem der schönsten Extertaler Wasserfälle ist bis heute unter dieser Bezeichnung in der Bevölkerung bekannt und um 1980 herum waren immer noch einige ältere Meierberger der Überzeugung, dass es in manchen Nächten nicht mit rechten Dingen zuginge in der »Hölle«.
Meier-Böke nennt in seinem Bericht noch einen weiteren Namen des »Hexensteins«, der ebenfalls bei älteren Meierbergern bekannt gewesen sein soll: »Puckfaut« (Puckfuß). Das war laut Meier-Böke eine alte Volksbezeichnung im Extertal für die germanische Hauptgottheit Wodan. Die riesige tischartige Ausdehnung des »Hexensteins« war sicherlich Grund für die Bezeichnung »Puckfauts Skatdisk« (Skattisch) oder »Puckfaut speelt Katen« (spielt Karten), die natürlich erst mit der Verbreitung des Skatspiels aufkommen konnte.
                                                 Text, Fotos und Repro Hans Böhm

Die einstige Kultstätte am Hexenstein hatte vor 3000 Jahren noch einen ganz anderen Charakter. August Meier-Böke beschrieb das trefflich: „Unter ernsten Wacholdern und wehrhaften Hülsen (Lippisch für Stech- palme oder llex), inmitten brauner Heidebrinke, mußte dieses naturgegebene Wunder ein noch naturverbunden-deres Geschlecht als das unsrige beinah zwangsläufig zur göttlichen Ergriffenheit hinleiten." Der durch das Patensteig-Team errichtete Platz erinnert ein wenig an die einstige „heilige Stätte“.

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Bei den Bergungsarbeiten im Jahr 1933 offenbarte sich die ganz Schönheit des Steins.

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„Stein des Anstosses". Bis in unsere Tage beschäftigt der »Hexenstein« wegen der Inschrift immer wieder die Gemüter.

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