Hinweis: Die »Extertaler Geschichte(n)« sind dem gleichnamigen Buch  entnommen,

                          das im Papierladen Noth und bei Marketing Extertal e.V. erhältlich ist.

»Quarzitische Verheilungsstrukuren«

Der "verheilte Findling": Ein ganz besonderer Stein aus dem hohen Norden

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Nur die Kante wurde durch das Hochwasser freigelegt.    

Der „Transport“ war mit Maschi- nenkraft schnell erledigt. Ein klei- ner Traktor und eine Seilwinde genügten, um den etwa 500 Kilogramm schweren Stein „mühe- los“ an seinen neuen Standort zu ziehen.

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Im Januar 2007 verursachte der Orkan »Kyrill« ein starkes Hochwasser im Siekbach, das 60 Meter unterhalb des Hexensteins am Patensteig einen kleinen Teil eines seltsam geformten Steins im Talgrund frei spülte. Alle, die ihn in Augenschein nahmen, waren der Meinung: Der konnte nur von Menschenhand geschaffen sein, vielleicht eine beschädigte Skulptur, die hier »entsorgt« worden war. Auch Fachleute standen vor einem Rätsel. Erst die Freilegung (2008) offenbarte die ganze Gestalt des Steins und machte eine schlüssige Beurteilung möglich.

Es handelt sich laut Professor Springhorn vom Landesmu- seum Detmold höchstwahrscheinlich um »quarzitische Ver-  heilungsstrukuren«, die wegen ihrer relativen Härte als Grate aus dem umgebenden Gestein hervorragen«. Der »Verheilte Findling« ist in unserer Region, und wahrscheinlich auch darüber hinaus, einzigartig. Solche Findlinge sind extrem selten zu finden, denn es müssen schon viele günstige Faktoren eintreten, um ein solches Gebilde den Tausende Kilometer langen Transport im Eis überstehen zu lassen. Entstanden sind die »Verheilungsstrukuren« vermutlich ähnlich wie bei Tropfsteinen, wobei die durch Erdbeben hervorgerufenen Risse in der Gesteinsschicht im Lauf von Jahrtausenden durch Ablagerungen des fließenden Wassers »zuwuchsen«.

Die Idee, diese »Laune der Natur« auf der Kultstätte am Hexenstein aufzustellen, war gleich nach der Entdeckung des Steins aufgekommen. Nach dem Freilegen wurde er mit einer Seilwinde zu seinem neuen Standort gezogen. Das Aufstellen mit Muskelkraft war »echte Männersache«. Fünf kräftige Männer  reichten so eben, den »Halbtonner« aufzurichten.

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Mit ganz viel Muskelkraft und »Hebelwirkung« wurde der große Findling aufgerichtet.

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Hans Böhm, Andreas Stork, Stefan Stork, Ralf Weber und Klaus Hartmann (von links) stellten den „Verheilten Findling“ am 6. April 2009 auf.

... einst schallten die Lieder ins Bremker Tal

Opferplatz und Jugendlust: Der geheimnisumwitterte Thingplatz auf dem Saalberg

Ein geschichtsträchtiger Berg ist der Saalberg bei Bremke und Rott. Der Förster H. Depping, engagierter Heimatfreund und Hobbyforscher, berichtete dazu um 1960: „Auf der Höhe des Saalberges erstreckt sich eine langgezogene Ebene, die vor etwa fünfzig Jahren (um 1910) gerodet wurde und heute als Ackerland genutzt wird. Dicht an dem westlichen Abhang des Berges grenzend befindet sich ein ehemals runder, im Durchschnitt etwa zwanzig Schritt großer Platz, heute mit Gebüsch bewachsen. Beim Roden der Hochfläche ließ man den erwähnten Platz (Kreis) in seinem Urzustand, weil er zu steinig war“.
  Nach den Aufzeichnungen des in der Mitte der 1929er Jahre gestorbenen Lehrers und Gastwirtes Rieke in Bremke soll der Platz eine germanische Opferstätte und mit Feldsteinen gepflastert gewesen sein. Für die Annahme spricht unter anderem die ungewöhnlich hohe und dichte Steinschicht in der Oberfläche des Bodens des Kreises. Der Platz war laut Rieke bis etwa zum Jahr 1900 das sonntägliche Ausflugsziel für die Jugend der umliegenden Dörfer: „Es schallten dann die schönen alten, heute vergessenen Lieder weit hinab ins Bremker Tal, so manche Flasche Korn brachte Frohsinn und Jugendlust“.
  Angrenzend an den Opferplatz zog sich am bewaldeten Westhang ein etwa dreißig Meter breiter »Hudestreifen« (Waldweide) zu Tal, der noch heute teilweise im steilen Gelände auszumachen ist. Dieser Streifen hatte den recht eigenartigen Namen »Kapergarten«. Es hieß im Volksmunde, dass auf diesem Streifen die »Opfer« zum Thingplatz hinauf geführt worden wären.
 Man darf wohl davon ausgehen, dass einiges an diesen Überlieferungen dran ist. Immerhin ist der Platz noch heute vorhanden, wenn auch inzwischen mit Wald überdeckt. Einige weitere Zeugen aus ferner Vergangenheit nähren den Wahr- heitsgehalt der Berichte, wie etwa die noch vorhandenen »Schnat-steine« oder die Gräben, die die Grenzverläufe markierten.
 Der Hobby-Historiker Erich Neumann, der sich intensiv mit unserer Vorgeschichte beschäftigt hat, bekräftigt die Aussagen von Lehrer Rieke: „Mit Sicherheit war die vermutete Stätte nicht nur der Treffpunkt lebenslustiger Menschen aus verschiedenen Ortschaften, hier trafen auch die Gemarkungen von Bremke und Nösingfeld-Rott zusammen. Der alte Grenzverlauf kann noch an einigen Stellen, durch so genannte Urgrenzsteine (Schnatsteine) gekennzeichnet, im Gelände verfolgt werden. Ein schöner Schnatstein steht unterhalb des »Platzes« am steilen Südhang des Berges“.
 Eine weitere aufschlussreiche Eigenart alter Grenzgestaltung werde durch den erwähnten schmalen Hudestreifen zur so genannten »Opferstätte« auf dem Saalberg erkennbar. Die schmalen, manchmal Hunderte Meter langen Gebiets-, Hude- oder Triftenstreifen seien geradezu typische Zutaten bedeutender Grenztreffpunkte mit historischem Hintergrund. Der heimat- kundliche Bericht, den Rieke über die »germanische Opferstätte« auf dem Saalberg hinterlassen hat, sei nach dem, was der Berg und das Umland über die Vergangenheit aussagen, durchaus ernst zu nehmen.
 Neumann: „Hier auf dem Saalberg hat sich, wenn nicht alles täuscht, eine heilige Stätte aus der Frühzeit, noch in Resten erkennbar, in Sage und Mär unvergessen, bis in die Gegenwart erhalten können. Alle Hinweise sprechen für eine Großegge im Sinne von Grenzmarke, Grenzscheide. In sächsischer Zeit kann der Saalberg Grenztreffpunkt dreier Gaue gewesen sein: Des von Osten heranreichenden Wesergaus Tilithi, des nördlich gelege- nen  Osterburga-Gaus und des lippischen Wethi-Gaus.“
 Info: »Saal« bedeutet nach germanischen Begriffen auch Gerichtsstätte. Somit könnte man »Saalberg« als »Gerichtsberg« deuten. Als Thing (auch Ding) wurden Volks- und Gerichtsver- sammlungen nach dem alten germanischen Recht bezeichnet. Den Vorsitz führte der König bzw. das Stammes- oder Sippen- oberhaupt. Die Versammlungen fanden unter freiem Himmel und stets am Tag statt (daher Tagung) und dauerten drei Tage. Das altgermanische Thing diente der politischen Beratung ebenso wie Gerichtsverhandlungen und kultischen Zwecken. Während der Tagung galt der Thingfriede, der bei der Eröffnung ausge- rufen wurde.

So oder so ähnlich könnte es einst auf dem Thingplatz auf dem Saalberg hergegangen sein.

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Mauer oder natürliches Felsgebilde? Eine Grabung auf dem Thingplatz im Herbst des Jahres 1992 brachte keine endgültige Klärung. Klein-Lara war‘s damals ziemlich egal.  

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Eine große Schmetterlingsraupe, die über Wasser geht - ein sensatio-nelles Foto.  

Der Schnatstein am Westhang des Saalberges. Die Kerbung (links) kennzeichnet ihn.

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