Das Kaufhaus Vehmeier -

Die blaue Blume der Romantik

Von 1888 bis 1965 bestand in einem Fachwerkhaus in Linderhofe das Kaufhaus Vehmeier. Ein Artikel  in  der „Neuen Lippischen Rundschau“ im Jahr 1951 schwärmte von dem Laden, „in dem es nichts gibt, was es nicht gibt“: „Das ist kein alltäglicher Laden! Hinter dem Fachwerk des alten, in die Straßenkurve geschmiegten Bauernhauses blüht die blaue Blume der Romantik“. Und weiter: „Ist es nicht, als beträte man geweihten Boden? Der Atem einer längst ver­gessenen Vergangenheit weht einen an. Beim Öffnen des kleinen Durchlasses in der großen Deeleneinfahrt scheppert eine Glocke so aufgeregt, als wollte sie gar nicht mehr zur Ruhe kommen. Aber dann wird es fast feierlich still. Man steht in einem wahren Museum des Alltags. Da hängen vom hohen, dunklen Gebälk die Ackergeräte, die Wannen und Eimer, die Tröge und Zuber herab. Dazwischen Peitschenstiele und Lampen, dies und das und vie­les Andere mehr. Es scheint, als gäbe es hier nichts, was es nicht gäbe. Und doch ist dies nur sozusagen der Vorhof zum Käufer-paradiese. Eine kleine Tür rechter Hand führt in den eigentlichen Laden. Dort waltet hinter dem Tresen Gustav Vehmeier seines Amtes. Über der Ladentafel wölbt sich ein Himmel begehrenswerter Dinge. Und rundherum in Kisten und Kasten, in Schüben und Regalen ist alles aufgeschichtet, was das Herz begehrt: vom Hosenträger bis zum Camembert, von der Glückwunschkarte bis zum biochemischen Präparat, vom Nagel bis zum Schlips, vom Kleiderstoff bis zur Kindertrompete, von der Schokolade und den Zigaretten bis zur Westfalen-Zeitung“.
Erbaut wurde das große Vierständerhaus 1717 von dem vermögenden Leinen- händler Herman Niemann und seiner Frau Anna Catharina Nieweg. Deren Sohn Johann Hermann Niemann, der den Beruf des Vaters fortführte, erbaute gegenüber dem Wohnhaus 1749 gemeinsam mit seiner Frau Loucia geb. Freund eine Scheune, in der auch eine Mangel untergebracht wurde, um das aufgekaufte Leinen weiter-verarbeiten zu können. 1867 wurde das Anwesen Linderhofe Nr. 64 an den Gastwirt Fr. Gödecke verkauft, dessen Witwe 1887 die Gebäude an Heinrich Vehmeier, Landwirt und Inhaber des Kruges nebenan, Linderhofe Nr. 56, veräußerte.
Im Jahr 1889 ging der Besitz dann auf dessen Bruder, den Kaufmann Gustav Vehmeier, über, der darin bereits seit 1888 ein Kolonialwarengeschäft betrieb. Nach seinem frühen Tod (1894 mit 28 Jahren) führte seine Witwe Minna Vehmeier das Geschäft etwa 30 Jahre sehr erfolgreich fort. Am 1. 7. 1923 übernahm dann Sohn Gustav Vehmeier das Geschäft von seiner Mutter. Zusammen mit seiner Frau Bertha gliederte er noch eine Tankstelle und Garage an und führte den „Dorfladen“ bis er 1965 für immer seine Pforten schloss.
Nach dem Tod von Bertha (1964) und Gustav (1967) Vehmeier wurde das Anwesen 1968 versteigert. Eine weitere Nutzung blieb allerdings aus, und 1971 kam dann das endgültige Ende: Das altehrwürdige Kaufhaus Vehmeier, über Jahrzehnte Kristallisationspunkt des Dorflebens, musste wegen Vandalismusschäden abgerissen werden. Aber immer noch zeugen die Grundmauern vom einstigen Kundenparadies.

Um 1930 (Kaufhaus rechts verdeckt)

Tankstelle um 1932

1897

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1951

1951

1951

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