Der Raubmord im Wald

Ganz hier in der Nähe, ein Stückchen weiter in Richtung Bösingfeld, wurde am 28. Dezember 1922 der Arbeiter Peter Josef Döhrenkamp, geboren am 26. Mai 1902, ermordet. Die Lippische Landeszeitung titelte am 3. Januar 1923: „Der Raubmord bei Bösingfeld - ein furchtbares Verbrechen - der Mörder bereits verhaftet - erdrückende Beweisgründe - die verräterische Lohntüte”.
Was war geschehen? Peter Josef Dörenkamp hatte zusammen mit dem 1893 in Linderbruch geborenen Julius Reinecke bei den Altendorfer Steinwerken im Ruhrgebiet gearbeitet. Nachdem beide am 23. Dezember 1922 ihren Lohn erhalten hatten, reisten sie zusammen nach den Weihnachtsfeiertagen von dort ab. Am Mittwoch, 27. Dezember trafen sie in Dörentrup ein, kehrten dort in die Bahnhofswirtschaft ein, wo sie Branntwein aus einer mitgeführten Flasche zu sich nahmen, und sich später auf den Weg nach Bösingfeld machten. Der Fußweg über Jägerborn war nur Eingeweihten bekannt und im Dunkeln kaum begehbar. Aus diesem Grunde nächtigten die beiden Männer etwa 50 Meter abseits des Weges in einem mit Buchen und Birken bestandenen Gehölz unter der einzigen dort stehenden Tanne. Dort überfiel Reinecke den jungen Mann und fügte ihm vier Stiche in Kopf und Hals mit einem dolchartigen Seitengewehr zu. Dörenkamp konnte noch mit letzter Kraft etwa acht Meter ins Gehölz kriechen. Der Mörder setzte ihm nach und schnitt dem bereits Schwerverwundeten kaltblütig die Kehle durch. Nach erfolgter Tat durchsuchte er die Taschen des Opfers und fand in der Brusttasche rund 12.000 Mark. Er entwendete die Uhr mit dem eingravierten Namen Dörenkamps mit der Uhrkette, ließ den Karabinerhaken jedoch an der Westentasche des Toten stecken. Außerdem nahm er einige Kleidungsstücke und Utensilien Dörenkamps an sich. Anschließend machte er sich allein auf den Weg zu seinen Eltern im Rebent bei Bösingfeld.
Entdeckt wurde die Leiche am darauf folgenden Samstag bei einer Treibjagd. Die Beamten der Kriminalpolizei aus Detmold nahmen die Ermittlungen noch bei Dunkelheit auf. Der Tote wurde zunächst falsch identifiziert, doch die Lohntüte mit dem Aufdruck der Altendorfer Steinwerke in der Tasche des Toten brachte die Mordkommission auf die richtige Spur. Eine telegraphische Nachfrage bei den Steinwerken erbrachte den richtigen Namen des Getöteten und dass er mit Julius Reinecke gemeinsam von dort nach Lippe aufgebrochen war. Beide waren zusammen in Dörentrup gesehen worden.
In der Nacht vom 1. auf den 2. Januar klopften die Beamten an die Haustür

Illustration Monika Gerstendorf

der Eltern Reineckes. Nach einer Weile öffnete Julius Reinecke selbst die Haustür. Mit vorgehaltenen Revolvern wurde er sofort gefesselt und nach Alverdissen überführt, wo seine Vernehmung erfolgte. Hierbei verwickelte er sich in offensichtliche schwere Widersprüche. Bei der Durchsuchung wurde die Tatwaffe gefunden, die noch Blutspuren trug. Auch die Uhrkette, das Taschenmesser, zwei Schuhbürsten des Toten mit dessen Initialen, sowie 8642 Mark fanden sich an. Die Blut getränkte Kleidung hatte der Mörder von seiner Stiefmutter waschen lassen. Die Ermittlungen ergaben weiterhin, dass Reinecke seinem Opfer einen Geldbetrag schuldete.
Bei seiner Vernehmung und Gegenüberstellung mit der Leiche zeigte der Täter weder Reue, noch legte er ein Geständnis ab. „Er gab sich gleichgültig, konstruierte offenbare Ausflüchte, bezweifelte, daß der Tote Dörenkamp sei und zeigte auch nicht die Spur einer Gemütsbewegung", so vermerkt das Protokoll. Die Indizien waren aber eindeutig. Reinecke wurde zum Tode verurteilt, später jedoch zu lebenslänglicher Haft begnadigt. Er starb während des 2. Weltkrieges in der Strafanstalt Münster. 

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