Der Sagenschatz der Uffoburg

Das Goldene Kalb

Die älteste Volkssage, die bis heute bekannt ist, erzählt, dass auf dem Schlosshof ein großer Schatz vergraben worden sei. Die Bewohner der Burg hätten einst bei einer Bela-gerung alles Geschmeide zu einem goldenen Kalb zusammen geschmolzen und in der Erde versteckt. Schatzgräber gab es viele, aber niemanden gelang es, auch nur eine Spur von diesem sagenhaften Goldschatz zu entdecken. Nun wohnte nicht weit von der Burg ein kluger Bauer, der im Ruf der Zauberei stand. Einige mutige Männer aus den Bergdörfern suchten Rat bei diesem Zauberer, den dieser ihnen gewährte. Folgendes gab er den Schatzgrä-bern mit auf den Weg: Der Schatz kann nur zur Zeit des Vollmondes zwischen 23 Uhr und Mitternacht gehoben werden.

Während des Aufstieges zum Schloßberg, bei der Arbeit und beim Abstieg sei strengstes Stillscheigen zu bewahren. Auf gar keinen Fall dürfe ein Licht brennen, weshalb eine mond-helle Nacht abgewartet werden müsse. Wer-den diese Regeln verletzt, sinkt der Schatz wieder in die Tiefe.

In der nächsten günstigen Vollmondnacht ver-sammelte sich die Mannschaft und begab sich mit Hacke und Spaten und dem klugen Bauern zum Schlossberg. Dessen Zauber-stock zeigt bald auf die geheime Stelle des verborgenen Schatzes. Schweigend gruben die Männer sich in den felsigen Boden. Als sie  vier Fuß tief gekommen waren, entdeckte einer der Männer ein Goldstück. Vor Freude und Glück erregt rief er unbedacht der Folgen aus: „Hier liegt der Schatz!“. Sofort sank der Schatz wieder zehn Klafter tief in den Boden und die Männer mussten tief enttäuscht nach Hause gehen. Bis heute scheint niemand eine weitere Schatzsuche vorgenommen zu haben. Die vielen Löcher auf der Burg wurden schon vor weit über 100 Jahren gegra-ben.

Hilteborch und die wundertätige Schlosseiche

Bis zum Juli 1937 stand die seit Jahrzehnten trockene Schlosseiche auf dem Bergsporn. Ein heftiges Unwetter brachte sie zum Umstürzen. Bis dahin überragte der Baum den Restwald als weithin sichtbares Wahrzeichen der „Uffenburg“. Die Schlosseiche wurde als wundertätig angesehen und viele Genera-tionen von Dorfbewohnern und Wunder-gläubigen aus nah und fern zogen bis 1937 auf den Schlossberg in der Hoffnung auf ein Wunder, ob in der Liebe oder bei der Heilung von Krankheiten. Vielleicht hat die Schloss-eiche ja tatsächlich Wunder gewirkt (allein der Glaube hilft bekanntlich oft). Wie sonst hätte sie solange im Volksglauben und Volksmund überdauern können.

Ein Teil der Sage ist bis heute nicht widerlegt. Kein Baum und kein Strauch solle mehr an-stelle der Schlosseiche wachsen, heißt es. Und in der Tat. Die Vereinsgemeinschaft der Bergdörfer versuchte seit 1993 viele Male vergeblich, eine neue Schloss- eiche zum Wachsen zu bringen. Bester Versuch war eine Pflanzung zur Mitternacht bei Vollmond. Das Bäumchen gedieh prächtig bis zerstörungs-wütige Zeitgenossen es abbrachen. So offen-kundig wie hier, war der Grund für das Scheitern der anderen Pflanzversuche nicht. Selbst regelmäßiges Gießen und gute Pflege haben letztlich nichts bewirkt. Die Eichen kümmerten vor sich hin und gingen schließlich ein.

Der Wunderglaube geht auf eine alte, im Volksmund überlieferte Sage zurück: Zu Zeiten des Grafen Uffo wird die Burg von sehr

vielen Soldaten belagert, die die Burgbe-wohner aushungern wollen. Als alle Vorräte samt aller Haustiere, auch Hunde und Katzen, verzehrt sind, fasst die Burgherrin Hilteborch den Entschluss, die Burg und ihre Leute mit einer List zu retten.

Sie begibt sich allein mit weißem Tuch vor die Tore und vor den feindlichen Hauptmann und trägt ihm eine zweifache Bitte vor: Er möge ihr gestatten, so viel aus der Burg herauszu-tragen, wie sie selbst als „schwache Frau“ in einer Kiepe auf dem Rücken bewältigen vermag. Außerdem wünsche sie so viel Aus-saat mitzunehmen, dass es für eine Ernte reiche, auf das ihr Geschlecht nicht ganz und gar ausgelöscht werde. Dazu schenkt sie dem Hauptmann mit Tränen in den Augen ihr schönstes Lächeln.

Der Hauptmann ist gerührt und empfängt Lächeln und Tränen wie eine Gnade von einer, die doch von ihm begnadigt zu werden wünscht. Und er willigt ein, denn die Last einer

einzigen Kiepe erscheint ihm sehr gering und die Aussaat der Rede nicht wert.

Und dann sehen alle, Burgbewohner und Sol-daten, staunend, wie die Burgherrin ihren Gemahl in der Kiepe und noch dazu Eicheln und Bucheckern aus dem Tor und in die Freiheit trägt. Gebeugt unter der Last, aber im Gesicht ein stilles Leuchten, schleppt sie alles den Berg hinab zum Wiesengrund an der Bredenbeeke (Bremker Bach). Dort beginnen Sie und der Burgherr Eicheln und Eckern einzeln auszulegen, stufenweise den ganzen Schlossberg hinauf bis in die Burg hinein. (Dazu muss man wissen, dass die steilen Hänge zu dieser Zeit nicht bewaldet waren).
Lächelnd und ohne Tränen sagt sie dem Hauptmann, dass nun bis zur Ernte eine lange Zeit vergehen würde, viel länger als sie und der Hauptmann zu leben hätten und solange habe er ihr Leben und Freiheit zugesichert. Da zog der Hauptmann mit seinem Heer davon, weil er zu seinem Wort hat stehen müssen und auch wollen. So berichtet die Sage.
Und so wuchs der Wald auf dem Schlossberg auch lange noch, nachdem die tapfere Schlossherrin und ihr Gemahl gestorben waren und die Burg längst verlassen war. Das hat sich vor über 1100 Jahren abgespielt. Die Schlosseiche aber überdauerte dieser Legen-de nach als einzige die Jahrhunderte. Und da sie eben die einzige Übriggebliebene in einem Wald war, den der Wunsch einer klugen Frau hat wachsen lassen, einer Frau, die mehr vermocht hat als Männer, hat man diesem Baum mehr zugetraut als anderen Bäumen.

Kaum bekannt ist die Sage vom Teufelsstein an der Uffoburg. Der mächtige Findling liegt am Ausgang der Burgbachschlucht. Der Sage nach wurde der Teufel auf der Uffoburg bei einem „Seelengeschäft“ von einem schlauen Bauern hereingelegt. Der Bergdörfler wollte gern den sagenhaften Schatz auf der Uffoburg heben und versicherte sich dazu der Hilfe des Teufels. Dieser verlangte wie üblich die Seele des Bauern nach dessen Ableben. Zum Schein ging der Mann auf das Geschäft ein. Der Teufel verriet in seiner Freude, aber auch mit Hinterlist, den Fundort des Schatzes und wollte den Vertrag mit dem leider nicht überlieferten Ritual besiegeln. Der listige Landmann hatte allerdings den Ort der Verhandlung wohl überlegt gewählt. Schnell tat er einen Schritt zurück und begab sich in den Schutz der Heiligen Schlosseiche, die dereinst Hilteborch, die Gemahlin des Grafen Uffo, gepflanzt hatte. Diesen Schutzwall ver-

mochte der Höllenfürst nicht zu  überwinden und da der Morgen bereits graute, blieb ihm nichts übrig, als von seinem Opfer abzulassen. In seiner ohnmächtigen Wut machte er einen Riesensprung vom Berg hinab, landete auf

dem Findling und hinterließ tiefe Spuren. Die Trittsiegel von Pferdefuß und Ziegenfuß sind noch heute unübersehbar in den „Teufels-stein“ gestanzt.

Zu erwähnen bleibt noch, dass der schlaue Bauersmann am Ende nicht schlau genug war. Er wusste zwar, an welcher Stelle der Schatz vergraben war, dieser lag aber so tief im Fels verborgen, dass er mit seiner Arme Kraft - und mehr hatte er nicht - keine Aus-sichten hatte, ihn zu Lebzeiten zu heben.

Dazu hätte es eines bestimmten Zauber-spruches bedurft. Den aber hatte der Teufel, ganz seinem Naturell entsprechend, für sich behalten und auf diese Weise doch noch einen kleinen Trost in seiner Schmach erhalten. Der Bergdorf-Bauer gab nach einigen Wochen harter Plackerei resigniert auf. Die großen Löcher, die er in den Fels gegraben und geschlagen hat, sind noch heute auf der Uffoburg zu sehen.

Der Teufelsstein am Burgbach

Die folgenden  Überlieferungen verdanken wir dem Lippischen Heimatkundler August Meier-Böke (1901 - 1956), der vor allem durch die Artikelserie „Zick-Zack-Fahrt durch Lippe“, die in den 50er Jahren in der Lippischen Landeszeitung erschien, bekannt wurde. Er hat zahllose Menschen befragt, Geschichte und Geschichten festgehalten, Brauch-tum und Sagenwelt erforscht.

 

SCHON VOR DER SINTFLUT, so erzählten die ganz Alten, sei das Schloss erbaut worden und die Schlosseiche habe als einziger Baum aus dem Wasser heraus geragt.

 

ZU OSTERN sind die jungen Leute früher aus den Dörfern ringsum auf den Schlossberg unter die Eiche gekommen um zu feiern und nach Liebschaften Ausschau zu halten.

 

UM HEILUNG bei der Schlosseiche zu finden, kamen Menschen von weit her, heimlich und bei Nacht. Dreimal musste der Stamm umrundet werden, immer rechts herum und Sprüche mussten dabei aufgesagt werden.

 

GOLDFEUER brannten früher rundherum und mittendrin. Eines in Petigs Busch, eines am Ackerberg, wo man in den 1950er Jahren immer noch rot gebrannte Erde und Eisenschlacken finden konnte und wo früher ein tiefes Loch gewesen ist, für das der Bauer lange gebraucht hat, um es zuzufahren. Viele Feuer brannten zwischen den Wällen, wo die Löcher, wo sie nach dem »Goldenen Kalb Mosis« gegraben  haben, bis heute zu sehen sind.

ZWEI VOM BÜSINGSBERG haben einmal ein Rad mit trockenem Stroh umflochten, es angesteckt und den Berg hinab gerollt. Da hat der Weberknecht Reiter gerufen:  „Willem, Willem, de Deubel ist lause!“

 

LEINEWEBER BROCKMANN ist eine der sieben in den Berg verwunschenen Jungfrauen erschienen, die der alte Timpenschmied einmal als sieben Sterne tanzen gesehen hat. Die geisterhafte Jungfrau versprach dem Brockmann „Steinreichtum“, falls er sie und ihre Schwestern erlöse. So ist er in den drei Folgenächten um Mitternacht auf den Schlossberg gezogen, wo ihm Schlag Zwölf ein Ochse, ein Löwe und ein feuriger Drache begegnet, bei dessen Erscheinen der ganze Berg in Flammen stand. Brockmann bekam es mit der Angst zu tun, lief den Berg hinab und sprang über die Bredenbeeke, wo die Macht des Bösen endet. Nun müssen die sieben unglücklichen Jungfrauen wieder 100 Jahre warten, bis eine Eichel den Bach herab schwimmt und zum starken Baum erwächst. Aus dem muss dann die Wiege gezimmert werden, wo derjenige groß gewiegt wird, der den Schlossbergdrachen bezwingt. Der Drachentöter wird immer noch gesucht, der dem Untier Schlag Zwölf den Garaus macht.

 

VOM SPUK auf dem Schlossberg waren viele Bergdörfler noch im 20. Jahrhundert überzeugt. War im Nachbardorf ein Lakenfest (Zeltfest), dann nahm man bei der nächtlichen Rückkehr weite Umwege in Kauf, um ja nicht an der Uffoburg vorbei zu müssen. Das erzählen heute noch einige ältere Leute.

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