Die Geschichte vom Schneider am Römerweg

Am Römerweg stand einst der Kotten eines Einsiedlers, der als Schneider ein gutes Auskommen hatte. Auf den Höfen ringsum wurde er nur „der Schneider“ genannt, hinter vorgehaltener Hand hieß er bei Bäuerinnen und Mägden auch „der Schöne“. Seinen richtigen Namen kannte niemand. Aber er verstand sein Handwerk. Vor allem die Damenwelt war ihm zugetan, denn er war ein schöner Mann mit freundlichem Wesen und er besaß ein großes Geschick bei der Anfertigung von hüb-schen Kleidern. Den Bauern und Knechten war er verständlicherweise ein Dorn im Auge. Aber da sich der Schneider nie im Dorfkrug oder bei festlichen Anlässen blicken ließ und er sich den Frauen nie unbotmäßig näherte, ließ man ihn in Ruhe.
Man glaubte allgemein, dass er sein bescheidenes Anwesen nie verließ. Gemüse und Obst reifte im gepflegten Garten, Milch und gelegentlich mal Fleisch lieferten seine Ziegen und Kaninchen. Ein Brunnen im Haus versorgte ihn mit frischem Quellwasser. Und was er sonst noch zum Leben brauchte, erstand er von fliegenden Händlern, die oft des Weges kamen, denn der Römerweg war zu dieser Zeit eine wichtige Verbindung von den Bergdörfern ins Tal. So nahm das Leben im Dorf und auf den Gehöften seinen Lauf. Die Jahren kamen und gingen. Aus manchen hübschen Bauerstöchtern und Mägden wurden Mütter und Großmütter, viele andere kamen ums Leben in den vielen Fehden und Kriegen, die das Land überzogen.

Die oft in Mitleidenschaft gezogenen Dörfer und Höfe mussten immer wieder aufgebaut werden. Nur das Anwesen des Schneiders überdauerte alle Kriegswirren unbeschadet. Warum? Niemand wusste eine Erklärung dafür.
Aber man munkelte, der Schneider sei mit dunklen Mächten im Bunde. Aus den Gerüchten wurde nach und nach fester Glaube. Die Kundschaft blieb aus. Um sein Haus machte man einen großen Bogen, oder schritt eilig vorbei. Viele Jahre später erzählten Kaufleute, die am Hause des Schneiders klopften, um ihre Waren feilzubieten, niemand habe geöffnet, aber durchs Fenster habe man die geisterhafte Gestalt eines Greises am Nähtisch arbeiten sehen.
Diese Geschichten sprachen sich schnell herum und schließlich traute sich auch kein Händler mehr auf das Anwesen. Das Haus soll noch viele Jahren in gutem Zustand gestanden haben, bis es eines Nachts mit weithin hörbaren Krachen zusammenbrach und einen großen Haufen Schutt zurück ließ. Dieser blieb über viele Jahre unangetastet, bis spätere Generationen ihn abräumten. Aber auch heute noch ist das Grundstück des Schneiders gut zu erkennen.
Was damals wirklich geschah? Niemand weiß es. Aber vielleicht will es auch keiner wissen.
  Text Hans Böhm

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