Der Thingplatz auf dem Saalberg

Ein geschichtsträchtiger Berg ist der Saalberg bei Bremke und Rott. Der Förster H. Depping, engagierter Heimatfreund und Hobbyforscher, berichtete dazu um 1960: „Auf der Höhe des Saalberges erstreckt sich eine langgezogene Ebene, die vor etwa fünfzig Jahren (um 1910) gerodet wurde und heute als Ackerland genutzt wird. Dicht an dem westlichen Abhang des Berges grenzend befindet sich ein ehemals runder, im Durchschnitt etwa zwanzig Schritt großer Platz, heute mit Gebüsch bewachsen. Beim Roden der Hochfläche ließ man den erwähnten Platz (Kreis) in seinem Urzustand, weil er zu steinig war“.
  Nach den Aufzeichnungen des in der Mitte der 1929er Jahre gestorbenen Lehrers und Gastwirtes Rieke in Bremke soll der Platz eine germanische Opferstätte und mit Feldsteinen gepflastert gewesen sein. Für die Annahme spricht unter anderem die ungewöhnlich hohe und dichte Steinschicht in der Oberfläche des Bodens des Kreises. Der Platz war laut Rieke bis etwa zum Jahr 1900 das sonntägliche Ausflugsziel für die Jugend der umliegenden Dörfer: „Es schallten dann die schönen alten, heute vergessenen Lieder weit hinab ins Bremker Tal, so manche Flasche Korn brachte Frohsinn und Jugendlust“.
  Angrenzend an den Opferplatz zog sich am bewaldeten Westhang ein etwa dreißig Meter breiter »Hudestreifen« (Waldweide) zu Tal, der noch heute teilweise im steilen Gelände auszumachen ist. Dieser Streifen hatte den recht eigenartigen Namen »Kapergarten«. Es hieß im Volksmund, dass auf diesem Streifen die »Opfer« zum Thingplatz hinauf geführt wurden.

Man darf wohl davon ausgehen, dass einiges an diesen Überlieferungen dran ist. Immerhin ist der Platz noch heute vorhanden, wenn auch inzwischen mit Wald überdeckt. Einige weitere Zeugen aus ferner Vergangenheit nähren den Wahrheitsgehalt der Berichte, wie etwa die noch vorhandenen »Schnatsteine« oder die Gräben, die die Grenzverläufe markierten.
 Der Hobby-Historiker Erich Neumann, der sich intensiv mit unserer Vorgeschichte beschäftigt hat, bekräftigt die Aussagen von Lehrer Rieke: „Mit Sicherheit war die vermutete Stätte nicht nur der Treffpunkt lebenslustiger Menschen aus verschiedenen Ortschaften, hier trafen auch die Gemarkungen von Bremke und Nösingfeld-Rott zusammen. Der alte Grenzverlauf kann noch an einigen Stellen, durch so genannte Urgrenzsteine (Schnatsteine) gekennzeichnet, im Gelände verfolgt werden. Ein schöner Schnatstein steht unterhalb des »Platzes« am steilen Südhang des Berges“.
 Eine weitere aufschlussreiche Eigenart alter Grenzgestaltung werde durch den erwähnten schmalen Hudestreifen zur so genannten »Opferstätte« auf dem Saalberg erkennbar. Die schmalen, manchmal Hunderte Meter langen Gebiets-, Hude- oder Triftenstreifen seien geradezu typische Zutaten bedeutender Grenztreffpunkte mit historischem Hintergrund. Der heimatkundliche Bericht, den Rieke über die »germanische Opferstätte« auf dem Saalberg hinterlassen hat, sei nach dem, was der Berg und das Umland über die Vergangenheit aussagen, durchaus ernst zu nehmen.
 Neumann: „Hier auf dem Saalberg hat sich, wenn nicht alles täuscht, eine heilige Stätte aus der Frühzeit, noch in Resten erkennbar, in Sage und Mär unvergessen, bis in die Gegenwart erhalten können. Alle Hinweise sprechen für eine Großegge im Sinne von Grenzmarke, Grenzscheide. In sächsischer Zeit kann der Saalberg Grenztreffpunkt dreier Gaue gewesen sein: Des von Osten heranreichenden Wesergaus Tilithi, des nördlich gelegenen  Osterburga-Gaus und des lippischen Wethi-Gaus.“
 Info: »Saal« bedeutet nach germanischen Begriffen auch Gerichtsstätte. Somit könnte man »Saalberg« als »Gerichtsberg« deuten. Als Thing (auch Ding) wurden Volks- und Gerichtsversammlungen nach dem alten germanischen Recht bezeichnet. Den Vorsitz führte der König bzw. das Stammes- oder Sippenoberhaupt. Die Versammlungen fanden unter freiem Himmel und stets am Tag statt (daher Tagung) und dauerten drei Tage. Das altgermanische Thing diente der politischen Beratung ebenso wie Gerichtsverhandlungen und kultischen Zwecken. Während der Tagung galt der Thingfriede, der bei der Eröffnung ausgerufen wurde.

Unter der dichten Grasschicht finden sich viele Steine. Steinsetzungen von Menschenhand oder Naturfels. Das ist bis heute nicht geklärt.

So oder so ähnlich könnte es einst auf dem Thingplatz auf dem Saalberg hergegangen sein.

Mauer oder natürliches Felsgebilde? Eine Gra- bung auf dem Thingplatz im Herbst 1992 brachte keine endgültige Klärung.

Freigelegte Steine 1992.

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