Die Uffoburg - Ein Rätsel der Geschichte

Uffoburg-Keramik

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Keramikfunde oft die einzige Möglichkeit, frühgeschicht-liche Anlagen zeitlich einzu-ordnen. Otto Weerth, der diese Bruchstücke im Jahr 1900 zu Tage förderte, und nach ihm andere Archäolo-gen datierten die Funde ins 9. und 10. Jahrhundert. Die Archäologen des Landesmu-seums gehen heute davon aus, dass sie gut ein Jahr-hundert jünger sind.

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Die Uffoburghütte

Standort der Schlosseiche

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Der Nordwall

Eingang zur Hauptburg

Löcher der Schatzgräber

Brunnenlöcher

Burgbank

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Die Uffoburg befindet sich auf einem Bergsporn inmitten eines  Buchenhochwaldes im Rintelnschen Hagen. Der Ursprung der frühmittelalterlichen Ringwallanlage ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Der Name der Anlage geht auf eine Mindener Chronik aus dem 14. Jahrhundert zurück, in der ein Edler namens Uffo um das Jahr 900 unter anderem im Besitz einer mächtigen Burganlage bei Bredenbeke (heute Bremke) gewesen sein soll. Nachweislich hat diese Bezeichnung (früher Uffenburg) über Jahrhunderte Bestand gehabt. Im Volksmund der „Bergdörfer“ im Rintelnschen Hagen ist auch „Schlossberg“ seit Jahrhunderten ein gängiger Begriff.

Wann und wie lange die Burg bewohnt oder genutzt wurde, ist nach heutigem Stand der Forschung nicht exakt zu beantworten. Die Keramikfunde wurden lange Zeit in den Zeitraum von 800 bis etwa 950 datiert. Neuere Untersuchungen des Lippischen Landes-museums gehen davon aus, dass die Keramik etwa 100 Jahre jünger und ins 10. bis 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung einzuordnen ist. Dies schließt allerdings nicht zwangs-läufig aus, dass die Burg älter ist, denn nur ein verschwindend kleiner Teil der Anlage wurde bis heute wissenschaftlich untersucht.

Das, was wir heute über die Uffoburg wissen, geht im Wesentlichen auf die Forschungs-arbeit des lippischen Gelehrten Otto Weerth zurück, der im Herbst des Jahres 1900 Ausgrabungen durchführte und historisches Quellenmaterial sichtete. Im Jahr 1903 veröffentlichte er seine Forschungsergebnisse im ersten Band der „Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde“. Die älteste bekannte Nachricht von einem Edlen namens Uffo ist danach in Herman von Lerbekes  „Chronicon episcoporum Min-densium“ zu finden. Im Jahr 896 sei von der edlen Frau Hilteborch oder Hilborch und einem Prister namens Folcart bei Möllenbeck im Gau Osterburg, im Kirchspiel Acriste, ein Nonnenkloster gegründet und mit Gütern ausgestattet worden. Hier lesen wir: „Die vorgenannte Hilteborch war aber die Gattin eines edlen Mannes namens Uffo, welcher zwei vortreffliche Burgen im Kirchspiel Eckersten (Exten) besaß, die eine nahe beim Dorf Bredenbeke (Bremke), welche die Anwohner noch gegenwärtig Uffenburg nennen, die andere unweit des Steinborch“ (Osterburg bei Steinbergen). Es folgt eine legendenhafte Schilderung der Ereignisse, die zur Gründung von neun Kirchen im Umfeld der Uffoburg führten. Uffo habe eine lange Pilgerfahrt ins heilige Land angetreten, so dass seine Gemahlin annahm, er sei gestorben. Da die Ehe kinderlos geblieben war, habe sie Christus zum Erben eingesetzt. Bei der Rückkunft des Gemahls rühmte sie sich, dass sie ihm neun Töchter geboren habe. Der gottergebene Mann erkannte, dass die neun Kirchen damit gemeint waren und beschenkte diese, vor allen Möllenbeck, reichlich mit Gütern.

Obwohl die Chronik über 500 Jahre nach Graf Uffo geschrieben wurde, zieht Weerth den Schluss: „Auf Grund der vorstehenden Erörterungen wird man also, bis das Gegenteil bewiesen wird, annehmen dürfen, dass der Edle Uffo in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts tatsächlich existiert und eine Burg in der Nähe von Bremke besessen hat“.

Im Oktober des Jahres 1900 wurden an drei Tagen Ausgrabungen in der Burg vorge-nommen. Weerth kam zu folgendem Ergebnis: „Spuren von Mörtel und Mauerwerk haben sich nirgends gefunden, weder im Walle, noch im Inneren des Hauptwerks oder der Vorburg. Die Anlage stammt danach aus einer Zeit, in welcher der Steinbau noch nicht, wenigstens noch nicht allgemein üblich war. Wohngebäude und Turm werden deshalb, wenn sie überhaupt vorhanden gewesen sind, aus Holz und Lehm ausgeführt gewesen sein. Die Vertiefungen im Innern des Hauptwerks sind neueren Ursprungs und rühren, wie in der Umgegend (um 1900) allgemein bekannt war, von Schatzgräbern her. Einen Brunnen haben die Burgbewohner nicht gehabt, auch keine Zisterne. Das Trinkwasser wurde über den „Eselspatt“ aus der Bredenbeeke (Bremker Bach) am Fuße des Bergsporns geholt. Die beiden Vertiefungen im Wallgraben rechts des Eingangstores sind keine Brunnen, wie manchmal vermutet wird. Schon nach einem Meter stößt man auf eine feste Felsschicht”.

Hier ist anzumerken, dass Weerth nur punktuelle Grabungsschnitte anlegte, etwa am Wall und im Torbereich. Großflächige Grabungen wurden bis heute nicht durchgeführt. Aber nur diese könnten Aufschluss über eventuell vorhandene Reste von Bauwerken oder einen Brunnen geben. Ähnliche zeitgenössische Anlagen verfügten über Brunnen, deshalb darf entgegen der Schlussfolgerung Weerths angenommen werden, dass auch die Bewohner der Uffoburg ihre Wasserversorgung auf diese Weise sicherten. Möglicher- weise könnte die Vertiefung an der Westspitze des Bergsporns als Standort eines Brunnens gedeutet werden. Bei den Grabungen förderten Weerth und seine Helfer trotz der kleinflächigen Aufschlüsse eine ansehnliche Zahl Topfscherben von schwarzer, grauer und roter Farbe zutage, die Weerth wie oben angemerkt sowohl nach Material, Art der Herstellung und Form in die karolingischer Zeit (9. - 10. Jahrhundert) einordnete.

Auch der Silixer Oberlehrer Willi Weber hat sich in einem 1930 veröffentlichten Aufsatz mit der Uffoburg beschäftigt. Er folgte im Wesentlichen den Forschungsergebnissen Otto Weerths und kommt nach vergleichender historischer Analyse zum Schluss: „Die Uffenburg ist also sowohl nach der Anlage der Befestigung als auch nach den geschicht-lichen Berichten und archäologischen Funden als fränkischer Königshof anzusehen“. Weber glaubte, dass die Burg wie andere fränkische Königshöfe um 800 erbaut worden ist. Uffo könne deshalb nicht der Erbauer gewesen sein. Weber vermutete, dass der Edle Uffo ein fränkischer Beamter gewesen sein müsse, der den Ostergau, einen Unterbezirk des Tilithigaus, verwaltete.

Interessant ist sein Hinweis auf eine zweite Grabung, die Weerth ca. 15 Jahre nach der ersten vorgenommen hat. Dabei sind mehrere ausgemauerte Vertiefungen im Inneren der Hauptburg freigelegt worden: „Sie reichten 1-1½ Meter in den Boden und hatten eine Größe von 2-3 Meter im Geviert“. Von diesen Mauerresten ist heute nicht die geringste Spur zu finden, weil die Mauersteine in den 1940er Jahren von einem Bauern für den Bau einer Scheune abgefahren worden sind. Ebenso deutet nichts auf Grundmauern eines Turmes oder anderer Gebäude hin. Die vorhandenen Vertiefungen in der Hauptburg gehen wie erwähnt auf frühe Schatzgräber zurück, die das sagenhafte „goldene Kalb“ suchten, das die Burgbewohner hier einst vergraben haben sollen (siehe Uffoburg-Sagen).

Eine weitere Theorie zur Uffoburg veröffentlichte der lippische Offizier und Pionier der Burgenforschung Ludwig Hölzermann um 1860. Danach sei die Uffoburg das Lager einer sächsischen Vorpostenabteilung gewesen. Das Hauptlager habe sich auf dem nördlich gegenüber liegenden Saalberg befunden. Dort sind allerdings keinerlei Spuren eines Heerlagers zu finden. Es wäre jedoch sehr seltsam, wenn das Lager der Vorpostenab-teilung so gut erhalten geblieben ist, während Reste des Hauptlagers völlig verschwun-den sein sollen. Nicht nur deshalb lehnten und lehnen Weerth, Weber und andere, diese Theorie entschieden ab. Alle späteren Heimatkundler, Historiker und Archäologen kamen im Wesentlichen nicht über den Kenntnisstand von Otto Weerth hinaus. Seine Ergebnisse könnten bis auf die Datierung der Keramik nur mit einer groß angelegten archäologischen Grabung bestätigt oder revidiert werden. Solche kostenintensiven Projekte scheinen zurzeit nicht im Bereich des Möglichen. Deshalb muss allen Nutzern des Burggeländes daran gelegen sein, die Anlage möglichst unversehrt zu lassen, um künftigen Historiker- und Archäologengenerationen gute Voraussetzungen zu erhalten.

 

Die ganze Anlage nimmt einen Flächenraum von 2 - 3 Hektar ein; ihre größte Ausdehnung in der Richtung von Nordosten nach Südwe-sten beträgt etwa 240 Meter, wovon 150 auf das Hauptwerk, und 90 auf die Vorburg entfallen; ihre größte Breite misst etwa 160 Meter. Die Wälle der Vorburg (rechts) sind heute nicht mehr im Gelände auszumachen. Sie wurden duch die Landwirtschaft einge-ebnet.

Der Rintelnsche Hagen

Zu seinem Namen kam dieses fast fünf Quadratkilometer große Wald- und Flurstück, weil es 1461 durch die Stadt Rinteln erwo-rben wurde, und mehr als 400 Jahre lang, bis zu seinem Verkauf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zur Brenn- und Bau-holzversorgung der Stadt diente. In unmit-telbarer Nähe, bei Hagendorf, befand sich im 16. Jahrhundert der Tiergarten der Schaum-burger Grafen.

Prof. Otto Weerth (1849  - 1930). Lippischer Gelehrter, Gymnasialprofessor. Leiter des von seinem Onkel Carl Weerth gegründeten natur-wissenschaftlichen Muse- ums in Detmold (heute Lan-desmuseum). 

Mitbegründer der geschichtlichen Abteilung des Naturwissenschaftlichen Vereins und ihrer Zeitschrift „Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde”.

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Die Legende von der

wundertätigen Schloßeiche

Einer Legende nach rettete Burgherrin Hilteborch bei einer Belagerung die Burg und ihren Gemahl Uffo mit einer klugen und tapferen Tat vor ihren Feinden (um das Jahr 890). Danach hat sie die Eichel gesät, die zur mächtigen und wundertätigen Schlosseiche heran- wuchs und erst im Jahr 1937 einem Unwetter zum Opfer fiel. Bis dahin war die Eiche Ziel vieler Wundergläubiger und der Jugend aus den Bergdörfern im Rintelnschen Hagen, die hier zu Ostern zum fröhlichen Feiern zusammen kam.
Der Sage nach soll auf dem Platz der Schlosseiche nie wieder ein Baum oderStrauch wachsen. Seit 1993 versuchte die Vereinsgemeinschaft der »Bergdörfer« mehrfach, eine neue Schlosseiche zu pflanzen. Bis heute ohne nachhaltigen Erfolg. Das Bild von 1917 verdeutlicht, welchen Stellenwert die Eiche einst hatte.

Recherchen, Text und Bilder

Hans Böhm

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