Die "Weiße Frau" - Ein Geist auf der Hohen Asch

​Die Hohe Asch war bis in die 1960er Jahre für viele Menschen ein magischer und geheimnisvoller Ort. Geschichte und Geschichten wurden in den abgelegenen Gehöften mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Tief verwurzelter Aberglaube ersetzte Wissen und Wissenschaft. Und aus diesem Grund glaubten die meisten Bewohner der Hohen Asch auch an die „Weiße Frau“, die von verschiedenen Personen gesichtet worden sein soll - immer einen Tag vor Vollmond. Sogar in der Zeitung war von diesen Ereignissen zu lesen.  Die „Weiße Frau“ galt - sofern man sie nicht herausforderte - zwar nicht als unmittelbar gefährlich oder böswillig, ihr Erscheinen kündigte aber familiäre Katastrophen an, insbesondere Todesfälle von Familienmitgliedern. Und da diese Prophezeiung manches Mal zeitnah eintrat, war die Furcht groß.

Ein „Hotspot“ der Gespensterauftritte war der Wulwesberg (Wolfsberg) an der Nordseite der Hohen Asch, da wo man heute noch das Geistergrab der "Weißen Frau" besichtigen kann. Aber auch bei den Hügelgräbern oberhalb von Drawes Hof auf der Südseite soll sie häufiger erschienen sein.

Und das ist die traurige Geschichte der Minna Pape: Im Jahr 1666, so geht die Sage, ertränkte sich die junge Frau in einem Teich hoch oben auf der Hohen Asch, der noch heute (wenn auch wesentlich kleiner) vorhanden ist. Ihr kleines Kind war am Wundfieber gestorben und dieser grausame Tod und ihre Ohnmacht ihrem kleinen Fridlein helfen zu können zerriss ihr das Herz und ließ ihren Lebenswillen versiegen. Keinen anderen Ausweg sah sie mehr, als ihrem geliebten Sohn in den Tod zu folgen.

Vielleicht glaubte und hoffte Minna, dass sie im Jenseits wieder mit ihrem kleinen Liebling zusammen kommen könnte. Selbstmord war allerdings für die alles beherrschende Kirche eine Todsünde, die in diesem finsteren mittelalterlichen Glauben unsäglich und ewige Höllenqualen nach sich zog. Wie groß muss die Verzweiflung dieser jungen Frau gewesen sein, um sich über diese Androhung hinweg-zusetzen.

Die tote Minna war aber eine Schande für ihre Familie und so wurde sie in einen Tag vor Vollmond  heimlich im Wald verscharrt, während der kleine Fridlein seine letzte Ruhe auf dem Bösingfelder Friedhof fand. Viele Jahre später reute es Minnas Vater, seine Tochter ohne geistlichen Beistand und ohne jedes gute Wort begraben zu haben. Das Schicksal war gut zu ihm und seiner Familie gewesen. Der 30-jährige Krieg hatte das hoch oben im Bergwald versteckte Gehöft verschont und ihm ein hohes Alter beschert. Als er spürte, dass der Tod alsbald an seine Tür klopfen würde, wollte er diesen Makel von seinem Geschlecht nehmen und beauftragte seinen Sohn Cordt-Henrich, am Waldgrab seiner Tochter Minna einen Grabstein zu setzen. Dieser tat gern, was ihm sein Vater geheißen, war er doch seiner älteren Schwester sehr zugetan. In seiner Kindheit war sie ihm oft Mutterersatz und so hatte er nach ihrem Tod lange still gelitten.

Und so gingen die Jahre ins Land. Cordt-Henrich Pape verkaufte nach dem Tode seines Vaters den Bauernhof und verschwand samt Familie im Dunkel der Geschichte. Das Grab der unglücklichen Minna geriet in Vergessenheit und versank im "Dornröschenschlaf".

Die Geschichte vom Freitod der Minna Pape aber überdauerte die Zeiten. Schnell kamen kurz nach ihrem Begräbnis Gerüchte auf, sie könne mit der Schuld, die sie auf sich geladen hatte, nicht ins Jenseits gelangen, sie sei dazu verdammt, in der Zwischenwelt zu verharren und als Geist ihr Unwesen zu treiben.

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Die erste Sichtung der “Weißen Frau” ließ nicht lange aus sich warten. Der Knecht Simon Mühlwald trat einmal erst nach Einbruch der Dunkelheit seinen Heimweg an und kürzte diesen wegen der guten Sicht im hellen Mondschein - es war genau ein Tag vor Vollmond - durch den Bergwald ab. Als er völlig verstört und vor Angst zitternd beim Bauern klopfte, berichtete er keuchend und stotternd Schreckliches. Er habe im Wald den durchscheinenden Geist einer jungen Frau erblickt, der auf ihn zugeschwebt sei. Todesangst sei ihm in die Glieder gefahren und er sei so schnell gelaufen, wie noch nie in seinem Leben. Dass Knecht Simon eine bekannte Schwäche für den “Geist in der Flasche” in Form von Wacholderschnaps hatte, tat der Glaubhaftigkeit seiner Erzählung keinen Abbruch. Und als bei seinem Bauern zwei Tage später eine Kuh verendete, verbreitete sich die Nachricht rund um die Hohe Asch wie ein Lauffeuer: Es ist wahr! Die Minna sucht uns als strafender Geist heim. Von nun an entstieg die "Weiße Frau" immer aus einen Tag vor Vollmond ihrem einsamen Grab - davon waren die Menschen fest überzeugt- und verbreitete Angst und Schrecken in den Gehöften auf der Hohen Asch. In diesen Nächten traute sich zwar niemand mehr aus dem Haus, aber einen heimlichen Blick durch die Gardinen konnte sich kaum jemand verkneifen. Da wurde aus einem vom Wind bewegten weißen Laken auf der Wäscheleine schnell die "Weiße Frau". Im Laufe der Jahre traten kurz nach dem Erscheinen des Geistes auch einige Todesfälle ein, was den Glauben verfestigte, die "Weiße Frau" kündige Unheil in der Familie an. 

Die „Weiße Frau“ ist keine spezifische Erscheinung der Hohen Asch. Sie trat zunächst in einigen Schlössern europäischer Adelsfamilien auf. Die ältesten Berichte stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die größte Verbreitung fand der Glaube an das Geisterwesen im 17. Jahrhun-dert. Dass sich der Glaube an diesen Spuk auf der Hohen Asch so lange in der Überlieferung hielt, ist bemerkenswert. Der alte Wilhelm Bege-mann, der hoch oben auf dem Berg wohnte und dem man einen gewissen Sinn für das Übersinnliche nachsagte, erzählte noch in den 1960er Jahren so glaubhaft und intensiv von den Erscheinungen, dass die Zuhörer sich zu vorgerückter Stunde nicht mehr allein auf den Heimweg trauten. Als der alte Begemann zu Grabe getragen wurde, wurde es ruhig um die "Weiße Frau" und die Geschichten um den Geist der Hohen Asch versiegten. Aber wer weiß, vielleicht braucht es nur einen guten Erzähler und ein wenig Fantasie, und die „Weiße Frau“ aus ihrem Grab zu locken ....

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