Die Wüstung Hilkerberg

Das Haus auf dem Hilkerberg war bis Ende der 50er Jahre bewohnt. Wasserleitung und Stromanschluss gab es nicht. Zur Trinkwasser-versorgung diente ein Brunnen, der am Schluchteingang zu finden ist (verfüllt). Für Licht sorgten Petroleumlampen. Als Mangel empfanden die Bewohner das damals nicht - so erzählten es 2007 ehemalige »Hilkerberger«. Nach dem 2. Weltkrieg wohnten hier zeitweise zwei Familien mit insgesamt 15 Kindern unter einem Dach. Offiziell lag das Haus früher am Römerweg, der sich von der Höhe zwischen Bremke und Meierberg hinunter ins Rickbachtal wieder hinauf auf den Hilkerberg erstreckte und schließlich nach einer steilen Abfahrt auf der Extertalstraße mündete. Der Patensteig führt zwischen Hilkersiek und Gersiektal über den erhaltenen Rest des Weges.

Ende der 1970er Jahre brach das leerstehende Haus zusammen und hinterließ den heutigen Schutthaufen. Der Ziegelsteinhaufen, Reste der Grundmauer und der verschüttete Kellerraum zeugen von dieser Stätte, die sehr eindringlich die Vergänglichkeit menschlicher Werke deutlich macht. Heute hat die Natur die Stätte zurückerobert, und die Reste des Obstgartens wurden im Zuge landwirtschaftlicher Maß- nahmen entfernt.                                       ​​​​​​​​​​Text und Repros Hans Böhm

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Das Haus auf dem Hilkerberg in seiner Blütezeit um 1930. Das Foto hat Ingeborg Schlüer (Gut Rickbruch) in ihren Jugendjahren »geschossen«.

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Das Haus im Winter 1941/42

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Familienfest im Jahr 1956.

Jugenderle​bnisse auf dem Hilkerberg

Aufgezeichnet von Peter Gehler im November 2008

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Eine glückliche Kindheit erlebte Peter Gehler auf „seinem” Hilkerberg -  auch im Winter.

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Instandhaltungsarbeiten gab’s kaum, denn die ungünstige Lage und die mangelnde Versorgung mit Strom und Trinkwasser verhießen keine große Zukunft für das Haus auf dem Hilkerberg. Mitte der 1960er Jahre verließen die letzten Bewohner das Haus, dass dem Verfall presgegeben wurde.

Peter Gehler (Jahrgang 1942) hat als Kind auf dem Hilkerberg in und um das Haus über viele Jahre erlebnisreiche Zeiten in den Ferien verbracht und erinnert sich auch heute noch sehr gern an diese unbeschwerten Tage der Jugend. Diese Zeiten ha­ben sein Leben nachhaltig geprägt und sicherlich dazu beigetragen, dass er sich schon in diesen Jahren entschieden hatte, beruflich dafür zu kämpfen, dass unsere Umwelt als Lebens- und Erholungsraum erhalten bleibt. Das Haus auf dem Hilkerberg war ein typisches Kötterhaus und als Fachwerkhaus gebaut. Die Gefache bestanden teilweise aus Lehm, teilweise jedoch aus Ziegelsteinen. Bewohnt war das Haus bis in die 60er Jahre. Wir - Familie Winkler und Gehler - waren sogenannte "Flüchtlinge" und froh, wenn wir eine Wohnung bekamen. Meine Großmutter Winkler be­kam mit ihren Familienangehörigen die Wohnung auf dem Hilkerberg. Meine Großmutter bewohnte das Haus mit ihren Kindern seit 1947; erst 1956 wurde der Umzug in ein neues Haus in Almena vollzogen.
Ich selbst wohnte mit meinen Eltern und Geschwistern im Raum Lemgo, habe aber fast 10 Jahre lang - seit meinem 6. Le­bensjahr - sämtliche Schulferienzeiten bei "Omi auf dem Hilkerberg" verbracht. Diesen Ferienfreizeiten habe ich regelmäßig entgegengefiebert und bin fast immer an dem Tag, an dem wir Schulferien bekamen, zu meiner Oma gefahren.
Zur Situation auf dem Hilkerberg: Das Fachwerkhaus stand am Waldesrand; schon damals war die große Eiche südlich der markanteste Punkt. Um das Haus herum befanden sich Obstbäume und auch ein Gemü­segarten. Leider war die Ernte sowohl des Obstes als auch des Gemüses immer spärlich, da sich Vögel, Eichhörnchen - und manchmal auch Wanderer - an den Früchten bedien­ten. Noch schwieriger war es, das Gemüse und die Kartoffeln zu ernten: Es ist sogar vor­gekommen, dass die Wildschweine den kompletten Gemüsegarten verwüsteten. Die Rehe kamen jeden Abend mit beginnender Dämmerung und schauten nach, ob wieder frische Pflanzen für sie im Garten waren.
Neben Familie Winkler wohnte auch Familie Fliege im Haus, insgesamt 15 Personen! Es gab kein elektrisches Licht und auch keine Wasser-leitung. Jeder Haushalt hatte Petro­leumlampen und Kerzen, ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir Taschenlampen hatten. Geheizt wurde mit den bekannten »Kochmaschinen«, also Öfen, die sowohl zum Kochen als auch zum Heizen bestimmt waren. Im Winter gab es des öfteren »Puttäpfel«, die im Backofen gebraten waren. Das Wasser wurde im Quellbereich des an der Eiche entspringenden kleinen Gewässers in einer Steinfassung aufgefangen; erst später wurden Betonringe eingesetzt. Diese Quelle versiegte regelmäßig spätestens im Juni jeden Jahres. Mein Onkel Helmut musste dann das Wasser in großen 20-Liter-Milchkannen aus Fütig bei Familie Brand abzapfen und durch die Schlucht bis zu unserem Haus hochtragen. So freuten wir uns, wenn nach starken Regenfällen im Sommer die Quelle wieder spärlich schüttete - oft genug mit Sedimenten der angrenzenden Ackerflur verse­hen.
Wir waren relativ autark: Wir fütterten ein Schwein, das einmal »Geburtstag feiern durfte«; wir besaßen Hühner und ich durfte auch Brieftauben auf dem Boden des Hauses halten. Natürlich dezimierte der Habicht besonders meine Taubenbestände; da floss so manch bittere Träne!
Nördlich des Hauses war eine große Wiesenfläche, auf der die Rinder des Gutes Rickbruch gehalten wurden. Getränkt wurden diese Rinder aus einer Quelle, die von feuchten quelligen Bereichen umgeben war. In diesem Quellbereich habe ich alle vier heimischen Molcharten vorgefunden! Besonders sind mir auch die Abende in Erinnerung: Unsere Petroleumlampen waren die einzigen Lichtquellen auf dem Hilkerberg; sie zogen nachtaktive Vogelarten wie zum Beispiel Eulen magisch an. Waldohreule und Steinkauz »riefen« dann und meine 0ma erzählte uns oftmals schaurige Geschichten.
Zur Erntezeit des Getreides musste ich aufpassen, dass die Hühner nicht auf das Feld liefen, meine Tauben mussten auf den Schlag eingesperrt bleiben. Der Verwalter des Gu­tes Rickbruch inspizierte nämlich manchmal das Areal um das Haus auf dem Hilkerberg. Das Haus war zu ca. ein Viertel der Fläche unterkellert. Diese Räume bestanden aus überwiegend gewachsenen Lehm-/Steinwänden und gestampftem Lehmfußboden. Unser Kellereingang befand sich im Flur und stellte eine eingelassene aufklappbare und begeh­bare Holzfläche dar. In diesem Kellerraum wurden Obst, Gemüse, Kartoffeln und auch eingekochte Fleisch- und Wurstwaren gelagert.
Der Postbote lieferte die Post vereinbarungsgemäß bei Bekannten unten in Fütig ab; mein Onkel brachte diese Post dann mit hoch, wenn er von der Arbeit kam. Die Zuwegung zum Haus bestand ausschließlich aus geschotterten bzw. wasser-gebunde­nen Wirtschaftswegen. Das heißt, Fahrverkehr zum Haus - wie heute mit PKW's - war einfach nicht möglich. Sperriges oder schweres Material musste mit landwirtschaftlichen Geräten befördert werden.
Sonntags gingen wir regelmäßig nach Almena zum Gottesdienst, natürlich zu Fuß! Mein Onkel Helmut, der Klavier und Trompete spielte, übte regelmäßig nach Feierabend mit der Posaune vor dem Haus! Diese friedfertigen Augenblicke werde ich nie vergessen.
So habe ich etwa 10 Jahre Ferienzeit auf dem Hilkerberg verbracht und habe in dieser Zeit während der unterschiedlichen Jahreszeiten die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt und unsere Abhängigkeit von diesen natürlichen Zyklen und Abläufen intensiv und beglü­ckend erlebt und auch begriffen, dass wir Menschen nur ein Baustein der Schöpfung sind. Wenn Sie sich hier umschauen, werden sie immer noch Dinge aus dieser beschriebenen Zeit vorfinden: So blüht in jedem Jahr noch der Flieder, Schneeglöckchen breiten sich aus, Reste von Obstbäumen sind noch erkennbar und auch die Eiche mit der Quell­fassung und den Findlingen aus der letzten Eiszeit ist noch vorhanden. Möge die Erinnerung an diese Zeit noch lange erhalten bleiben - und auch mein Hilker­berg !

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